TSV Korbach  | Handball

Kapitän Robert Müller über den Abstieg aus der Landesliga und die Perspektiven der Korbacher Handballer

„Der Schmerz sitzt sehr tief“

Von Jürgen Heide

Korbach. Das heutige Spiel gegen den TV Hersfeld (18.30 Uhr, Kreissporthalle) wird die vorerst letzte Partie der Korbacher Handballer in der Landesliga sein. Beim Neuanfang des TSV setzt Robert Müller große Hoffnungen in den künftigen Trainer Harald Meißner, der bei der HSG Zwehren/Kassel lange Zeit zusammen mit dem verstorbenen Günter Böttcher gute Arbeit geleistet hat, so der Spielmacher.

Wie enttäuscht sind Sie über den Abstieg Herr Müller?

Robert Müller: Sehr. Es ist schade, dass wir den Klassenerhalt nicht noch geschafft haben, worüber wir alle schwer gefrustet sind und woran wir noch zu knabbern haben. Der Schmerz sitzt sehr tief, auch weil wir mit anderen Zielen in die Saison gegangen sind. Wir sind davon ausgegangen, dass wir einen Mittelfeldplatz erreichen würden.

Was sind die Gründe für den Abstieg?

Müller: Man hat in der Hinrunde gesehen, dass das sportliche Zusammenspiel zwischen der Mannschaft und Trainer nicht gepasst hat. Es ist uns nicht gelungen, die Spielphilosophie von Iljo Duketis umzusetzen und unser Leistungsvermögen abzurufen. Er hat sich viel Bewegung ohne Ball und Teamspiel gefordert hat, während wir wenig in Kleingruppen gespielt haben. Zudem hatten wir auch viel Verletzungspech.

Hat Duketis die Mannschaft überfordert?

Müller: Nein, unsere jungen Spieler haben feststellen müssen, dass es große Unterschiede zwischen dem Nachwuchs- und Landesligahandball gibt.

Nach 11:23 Punkten musste Duketis nach 17 Spielen und dem 24:30 gegen Eschwege Anfang Februar gehen. Damals stand der TSV wie auch jetzt auf Abstiegsrang zwölf. Mit seinem Nachfolger und Vorgänger Florian Ochmann sowie dessen Co-Trainer Ufuk Kahyar hat der TSV in acht Spielen nur 5:11 Zähler geholt. Ist der erhoffte Umschwung durch den Trainerwechsel verpufft?

Müller: Nein, den Umschwung gab es, auch wenn sich das nicht in Punkten ausgedrückt hat. Wir haben seitdem wieder ganz anders Handball gespielt und mit Ausnahme der letzten Partie in Fuldatal, als wir 16:28 unterlagen, die Spiele höchstens mit vier Toren wie bei Meister Hünfeld, mit nur einem Treffer wie in Rotenburg oder mit zwei Toren wie bei Vizemeister Wanfried verloren. Die Leistung der Mannschaft ist seitdem deutlich besser geworden. Dass wir dennoch abgestiegen sind, hatte auch mit dem nicht einfachen Restprogramm zu tun. Zudem haben wir auch dem immensen Druck nicht standgehalten, was man bei der deutlichen Niederlage in Ihringshausen gesehen hat, als kein Spieler von uns Normalform hatte.

Was bedeutet der Abstieg für die Zukunft des Korbacher Handballs?

Müller: Trotz allen Schmerzen keinen Weltuntergang. Er ist auch die Chance für einen Neustart, für den wir mit Harald Meißner vom Bezirksoberligisten Eintracht Baunatal II einen sehr guten und sehr erfahrenen Trainer, den wir schon seit zehn Jahren mehrfach versucht haben, nach Korbach zu holen, verpflichten konnten. Das ist auch ein Lob für unsere Arbeit in den vergangenen Jahren.

„Ich hoffe, die Spieler zeigen Eier und bleiben uns auch eine Liga tiefer treu“, schreibt TSV-Handballabteilungsleiter Stefan Backhaus im aktuellen Hallenheft. Wird das der Fall sein?

Müller: Dave Alscher wird zum Oberligisten Gensungen gehen und Joshua Sturm hat sich leider für einen Wechsel zurück nach Twistetal entschieden. Zudem hat Torwart Stefan Gehlen aus gesundheitlichen Gründen aufhören müssen. Es kann zudem sein, dass uns noch Jacob Gleumes aus studienbedingten Gründen verlassen wird. Sonst ist mir kein weiterer Spieler bekannt, der uns verlassen will, sodass ich und der Vorstand damit rechnen, dass der Rest der Mannschaft bleiben wird. Neu hinzu kommt Allrounder Till Westmeier aus der A-Jugend der HSG Twistetal.

Ist der direkte Wiederaufstieg das nächste Ziel des TSV?

Müller: Nein, zumal das nicht einfach ist, nach einem Abstieg gleich wieder aufzusteigen. Das wird deshalb definitiv nicht unser Ziel sein, aber wir wollen mittelfristig in die Landesliga zurück.

Befürchten Sie, dass der Abstieg die Handballeuphorie in Korbach dämpft?

Müller: Ich glaube nicht, denn obwohl wir permanent unten in der Tabelle gestanden haben, hatten wir immer fast 400 Zuschauer, sodass ich denke, dass uns der größte Teil davon erhalten bleibt.

Durch den Korbacher Abstieg und den vermutlichen Twistetaler Aufstieg wird es nächste Saison keine weiteren Kultderbys geben.

Müller: Das denke ich auch, weil ich fest davon überzeugt bin, dass Twistetal den Aufstieg in Waldau perfekt machen wird. Nachdem es ja schon in den letzten vier Jahren keine Derbys mehr gab, nehmen wir das so hin. Wir spielen ja Handball nicht nur wegen der Derbys, obwohl diese aber sicher sehr interessant gewesen wären.

© Waldeckische Landeszeitung | Lokalsport | 29.04.2017

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